„Wenn sich zwei Menschen liebhaben und kuscheln, ist es möglich, dass ein neuer Mensch entsteht. Aber manchmal ist dieser Mensch anders. Dann können die Eltern entscheiden, ob sie ihn behalten oder nicht.“ Diese wenigen Sätze treffen den Zuschauer ins Mark. Nur wenige Sekunden braucht der Regisseur des preisgekrönten Kurzfilms „Downside Up“, um den Kinobesucher zu berühren. Auf der Leinwand ist ein Arzt zu sehen. Er hat das Downsyndrom. Vor ihm sitzt eine Schwangere mit ihrem Partner. Beide ebenfalls behindert. Die Diagnose: ihr Baby wird normal sein! In einer Welt, in der jeder das Downsyndrom hat, gleicht das einer Katastrophe. Was sollen sie nur tun?
„Downside Up“ macht das Normale zum Besonderen und das Besondere alltäglich. Genau dadurch irritiert der Film und das auf eine brillant amüsante Weise. Er bringt den Betrachter dazu, eigene Maßstäbe zu hinterfragen. Der Zuschauer wird hineingenommen in die Perspektive derer, die nicht von vornherein das Privileg haben, zum Gros der Gesellschaft zu gehören. „Downside Up“ ist einer von elf Kurzfilmen, die die Deutsche Bischofskonferenz in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit den diözesanen Medienzentralen und dem katholischen Filmwerk auf Kino-Tour durch Deutschland schickt. Seit 1992 sucht eine Fachjury Jahr für Jahr Kurzfilme aus, die sich mit dem Leben beschäftigen, die zum Nachdenken anregen, unterhalten und einfach grandios gemacht sind. Oft handelt es sich um Abschlussarbeiten von Filmhochschulen, die ausgezeichnet worden sind. In diesem Jahr sind Werke aus Portugal, den Niederlanden, Belgien, Argentinien, Neuseeland, Kenia und Deutschland dabei.
So wie der 2018 für den Oscar nominierte Kurzspielfilm „Watu Wote“. Er dokumentiert einen Überfall auf einen Reisebus an der Grenze zwischen Somalia und Kenia, der am 21. Dezember 2015 tatsächlich stattgefunden hat. Terroranschläge prägen dieses Grenzgebiet. Angst und Misstrauen entfremden Christen und Muslimen. Doch bei dem Überfall kommt es zu einem beispiellosen Zeugnis der Menschlichkeit. Der Kurzspielfilm zeigt, wie Menschen dem Terror die Stirn bieten können, wenn sie mutig zusammenstehen, ihren Glauben ernst nehmen und sich nicht von Vorurteilen leiten lassen.
Ende März war diese Kurzfilmreihe „Augenblicke“ erstmals im Bruchsaler Cineplex zu sehen. Eingeladen hatten das Katholische Dekanat in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Kirchengemeinde St. Vinzenz. 143 Gäste sind der Einladung gefolgt, um sich in anderthalb Stunden in verschiedenste Bereiche des menschlichen Lebens entführen zu lassen.
Nach der Vorführung waren die Zuschauer eingeladen, die Filme zu bewerten. Es hat sich gezeigt: durch die bunte Palette an Themen war für jeden etwas dabei. Während sich einige durch „Fabrizios erstes Mal“ schmunzelnd an ihre eigene Teenager-Zeit erinnerten, an den ersten Kuss und die erste feste Partnerschaft, ließen sich andere durch verschiedene Filme über Freunde und Nachbarn, über den Tod, die wertvolle Lebenszeit oder auch die Kleinigkeiten des Alltags dazu anregen, über ihre Ziele und das Leben an sich nachzudenken.