Internationaler Frauentag

Edith Stein und das Engagement von Frauen in Kirche und Gesellschaft

 Am 8. März feiern wir den Internationalen Frauentag und erinnern zugleich an unsere Namenspatronin Edith Stein (1891–1942). 
Edith Stein war eine außergewöhnliche Frau des 20. Jahrhunderts: Jüdin, Philosophin, Pädagogin, Christin, Karmelitin und Märtyrerin. Ihr Leben steht für Glauben, Bildung, gesellschaftliche Verantwortung und den Einsatz für die Würde und Rechte der Frau.

Schon früh zeigte Edith Stein ein starkes soziales Verantwortungsbewusstsein und großes Interesse am politischen Geschehen ihrer Zeit. Bereits 1911 engagierte sie sich aktiv für die Gleichberechtigung der Frauen und trat dem Preußischen Landesverein für Frauenstimmrecht bei.
Sie war überzeugt, dass Frauen Verantwortung in Gesellschaft und Politik übernehmen sollten. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs unterstützte sie die Einführung des Frauenwahlrechts und engagierte sich in der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Partei. Mit Flugblättern rief sie Frauen dazu auf, ihr Wahlrecht wahrzunehmen und aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken.
Für Edith Stein war politisches Engagement Ausdruck der Verantwortung für das Gemeinwohl. Gleichzeitig betonte sie, dass Bildung und Vorbereitung notwendig seien, um gesellschaftliche Aufgaben verantwortungsvoll wahrnehmen zu können – für Frauen ebenso wie für Männer.

Bildung als Schlüssel zur Entfaltung des Menschen

Ein besonderer Schwerpunkt ihres Denkens lag auf der Bildung des Menschen, insbesondere der Bildung von Frauen. Edith Stein verstand Bildung nicht als bloße Ansammlung von Wissen, sondern als ganzheitlichen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung. Individualität, Freiheit und Verantwortung waren zentrale Begriffe ihres Denkens.
Besonders setzte sie sich für die Bildung von Mädchen ein. Sie sollten zu klarem Denken, kritischem Urteil und eigenständigem Handeln befähigt werden. Für Edith Stein war Bildung nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Aufgabe: Jeder Mensch trage Verantwortung für seine eigene Entwicklung und Entfaltung.
In Vorträgen, etwa vor dem Katholischen Deutschen Frauenbund, beschäftigte sie sich mit Fragen der Frauenbildung und der Rolle der Frau in Gesellschaft und Kirche. Sie war überzeugt, dass Frauen Bildung, Lebenskenntnis, praktische Fähigkeiten und eine feste ethische Orientierung brauchen, um den Anforderungen ihrer Zeit gerecht zu werden.

Wissenschaftlerin, Lehrerin und Ordensfrau

Edith Stein gehörte zu den ersten Frauen, die in Deutschland studieren konnten. Sie promovierte mit höchster Auszeichnung bei dem Philosophen Edmund Husserl und arbeitete als seine Assistentin. Eine akademische Karriere blieb ihr jedoch verwehrt, weil sie eine Frau war.
Sie wirkte anschließend als Lehrerin und Dozentin, bevor sie 1933 in den Karmel eintrat und den Ordensnamen Teresia Benedicta a cruce annahm. Da sie als Jüdin geboren war, wurde sie 1942 von den Nationalsozialisten verhaftet und im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. 
Im Jahr 1998 wurde sie heiliggesprochen und zur Patronin Europas erhoben.

Inspiration für Frauen in Kirche und Gesellschaft heute

Edith Steins Leben zeigt eindrucksvoll, wie Frauen Kirche und Gesellschaft durch Glauben, Denken und Engagement prägen können. Auch heute gestalten Frauen das Leben unserer Gemeinden wesentlich mit – im Ehrenamt, in der Seelsorge, in der Bildungsarbeit, in sozialen Diensten und in vielfältigen pastoralen Aufgaben.
Ihr Einsatz, ihre Verantwortung und ihre Begabungen bereichern das kirchliche Leben und machen Gemeinschaft lebendig.
Am Internationalen Frauentag danken wir allen Frauen für ihr Engagement und lassen uns von Edith Stein inspirieren: zu verantwortlichem Handeln, zu gelebtem Glauben und zu einem Einsatz für Würde, Bildung und Gleichberechtigung.