Im Jahr 2021 wurden 72 Frauen und Männer von Erzbischof Stephan Burger als Lokale Projektkoordinatorinnen und Projektkoordinatoren für die künftigen Pfarreien beauftragt. Es handelte sich um 36 Tandems bestehend aus Dekanen und Dekanats- oder Gemeindereferent/innen. In dieser Funktion, quasi als „Dreh- und Angelpunkt“, koordinieren und planen diese Personen seither die Kirchenentwicklung 2030 vor Ort und haben zusammen mit den regionalen Teams maßgeblich an der Vorbereitung der neuen Pfarreien mitgewirkt. Auf Einladung der diözesanen Projektkoordination kamen sie erstmals im September 2021 zu einem Kick-off in Rastatt zusammen. Anschließend lud die diözesane Projektkoordination zweimal im Jahr zum Austausch über die Fortentwicklung des Zukunftsprozesse ein und es wurde miteinander an Lösungen für gemeinsame Fragen gearbeitet.
Am 15. Mai 2025 fand nun das letzte große Treffen dieser Art in Rastatt, im Bildungshaus St. Bernhard, statt. Zum Oktober dieses Jahres läuft die Arbeit der Lokalen Projektkoordination aus; dann übernehmen die Frauen und Männer andere Funktionen in den 36 Pfarreien und es erfolgt die „Staffelübergabe“ an die neuen örtlichen Teams. So stand im Fokus des Tages vor allem die Würdigung der Lokalen Projektkoordinatorinnen und Projektkoordinatoren sowie der Dank für ihr großes Engagement und die wertvolle geleistete Arbeit.
Stück für Stück die Zukunft gestalten
Nach der Begrüßung durch Barbara Winter-Riesterer gab Lukas Glocker mit dem geistlichen Impuls einen musikalisch untermauerten Rückblick auf den gemeinsam beschrittenen Weg, bei dem „Stück für Stück Zukunft gestaltet wurde“. Im Anschluss erläuterte Martin Johannes Müller, wie der schrittweise Übergang in die neuen Pfarreien aussehen kann. Die Überlegungen dazu – damals noch unter dem Arbeitstitel „sukzessiver Switch“ – waren bereits Gegenstand früherer Treffen. Nun ging es darum, einen tieferen Blick auf die Ist-Situationen mit Bezug zum pastoralen Kontext zu werfen und zu ermitteln, welche konkreten Bedarfe/Unterstützungen erforderlich sind, damit der Übergang in die zukünftigen Pfarreien gut gelingt. In dem Zusammenhang diskutierten die Teilnehmenden in regionalen Kleingruppen, welche Themen sie in Zukunft gemeinsam voranbringen werden und wo diese zu verorten sind. Im Anschluss verwies Kornelia A. Lüttmann auf die Einführungs- und Orientierungsworkshops für Pfarreiräte, die in der ersten Hälfte 2026 angeboten werden. Das Ziel sei es, den am 19. Oktober zu wählenden neuen Pfarreiräten Orientierung zur Zusammenarbeit, Strategie und Kommunikation in der neuen Pfarrei zu geben.
Reflexion der "Prozess-Ernte"
Gestärkt durch die gemeinsame Pause reflektieren die rund 80 Frauen und Männer die Frage, wo Ansätze des angestrebten Kulturwandels im Rahmen der Kirchenentwicklung 2030 bereits erkennbar sind und was sie daraus für den weiteren Prozess mitnehmen. In ihrer Einführung brachten Monika Kloppenborg und Karl Seiler das Bild der „Prozess-Ernte“ ein: Nun gehe es darum, positive Erfahrungen aufzugreifen und für die weitere Gestaltung einer zukunftsnahen Kirche zu übernehmen. Nach der Arbeit in Kleingruppen folgte ein Austausch im Plenum darüber, was für das Miteinander und die Entwicklung auf Pfarrei- sowie Diözesanebene wertvoll und somit weiterzuverfolgen ist. Die Lokalen Projektkoordinatorinnen und -koordinatoren berichteten zum Beispiel von neuen Einblicken in das Erzbistum durch den intensiven Austausch mit unterschiedlichsten Bereichen. Des Weiteren hoben sie bessere Partizipationsmöglichkeiten hervor sowie eine wachsende Subsidiarität.
Dank und Ausblick

Neben aller Rückschau gelt es nun, den Blick nach vorne zu richten, denn die bisherigen Teams werden in den künftigen Pfarreien neue wichtige Verantwortlichkeiten übernehmen, zum Beispiel als designierter Pfarrer, Stellvertretender Pfarrer, Leitende Referentin oder Leitender Referent. So bekräftigte der Generalvikar zum Ende seiner Ausführungen einmal mehr: „Der Prozess und die Entwicklung gehen weiter, wir werden ab 1.1.2026 nicht fertig sein. Geh in das Land, das ich Dir zeigen werde und bleiben Sie der Erzdiözese verbunden, wir brauchen Sie!“
Stimmen aus der Lokalen Projektkoordination
Welche Gefühle gehen einher mit dem bevorstehenden Aufgabenwechsel? Was waren die gewinnbringendsten Momente in der lokalen Projektkoordination? Und wo lagen die größten Herausforderungen? Antworten darauf gaben zwei Frauen und zwei Männer, die vor der Konferenz befragt wurden.
- „Ich hoffe, dass viele entdecken, dass sich in dem Netzwerk einer großen Pfarrei mit vielen Gemeinden, Teams, Verbänden, Spiritualität und dem Miteinander von unterschiedlichen Haupt- und Ehrenamtlichen ganz viel Potenzial steckt“, so Hannah Gniot, Dekanatsreferentin aus Heidelberg.
- Ann-Kathrin Wetzel, Dekanatsreferentin aus Lahr, sagt: „Als herausfordernd habe ich die große Fülle an Themen erlebt, die in relativ kurzer Zeit erarbeitet werden mussten. Da gibt es auch Bereiche, die wir nicht „fertig“ bekommen haben und die wir nun dem Kernteam zur weiteren Bearbeitung übergeben. Das ist auch nicht einfach.“
- Gerd Möller, Dekan aus dem Wiesental, habe erlebt, dass „es einen großen Wunsch nach Erneuerung aus dem Glauben und Evangelium gibt“ und „immer wieder gespürt, wo die Geistkraft Neues erscheinen lässt.“
- Und nach der größten Herausforderung gefragt, berichtet Christopher Mrosk, Gemeindereferent in Mosbach-Neckarelz: „Die größte Herausforderung ist und bleibt die Beteiligung möglichst vieler Menschen. Wie kommen wir bis in jedes Dorf mit den Gemeindemitgliedern in Kontakt? Wie nehmen wir sie bei Entscheidungen mit und können größtmögliche Akzeptanz erzeugen?“ Gleichzeitig habe er in der Kirchenentwicklung 2030 erlebt, „wie engagiert und konstruktiv sich die Beteiligten in den Prozess einbringen“. Das motiviert ihn sehr.
Wenn die geplanten Konzepte Anfang 2026 in die Praxis übergehen, werden die aktuellen lokalen Projektkoordinatorinnen und Projektkoordinatoren in hohem Maße von ihren bisherigen Erfahrungen bei der Planung der Pfarreien profitieren. Und die verbindende Hoffnung ist – so auch Dekan Möller mit seinem Blick auf die Zukunft: „…dass alle, die ehrenamtlich und hauptberuflich eine neue Gestalt von miteinander Kirche-Sein prägen werden, bereit sind, dieser neuen Form aus dem gemeinsamen Glauben und der verbindenden Geistkraft Gottes ein Gesicht zu geben, um dadurch wieder attraktiv zu werden für Suchende und am Rand wartende.“